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Yap

Diktierwerkzeug für Mac und Windows: Taste halten, sprechen, loslassen — der bereinigte Text landet mit Satzzeichen direkt im offenen Programm. Die Spracherkennung läuft auf dem Gerät, Audio wird nicht hochgeladen.

DSGVO-konform· k. A.

Yap macht eine einzige Sache, und die konsequent: Man hält eine Taste, spricht, lässt los — und der Text steht dort, wo der Cursor war. Kein eigenes Fenster, kein Kopieren, kein Einfügen. Was im Mailprogramm, im Chat, im Dokument oder im KI-Chat gerade offen ist, bekommt den Text direkt.

Der Reiz liegt im Tempo. Der Anbieter rechnet vor, dass Sprechen rund dreimal schneller geht als Tippen, und belegt das mit zwei zitierten Quellen — 153 Wörter pro Minute beim Spracheingeben gegenüber etwa 52 beim durchschnittlichen Tippen. Dass eine Produktseite ihre Vergleichszahlen mit Fußnoten versieht und beim Geschwindigkeitsvergleich mit Wettbewerbern ausdrücklich dazuschreibt, dass deren Werte aus deren eigenen Seiten stammen und der eigene Median auf einem aktuellen Mac gemessen wurde, ist bemerkenswert. Ältere Macs, heißt es dort nüchtern, brauchen länger.

Entscheidend für die Brauchbarkeit ist aber nicht die Erkennung allein, sondern die Nachbereitung. Rohe Transkription liefert eine Wortwand ohne Satzzeichen, gespickt mit „ähm" — und das Aufräumen frisst den Zeitgewinn wieder auf. Yap setzt Satzzeichen, entfernt Zögerlaute und lässt die gewählten Formulierungen stehen. Genau an dieser Lücke scheitern die eingebauten Diktierfunktionen der Betriebssysteme regelmäßig.

Für dieses Verzeichnis ist jedoch ein anderer Punkt der wichtigste: Die Spracherkennung läuft auf dem Gerät. Das ist keine Marketingfloskel, sondern in der Datenschutzerklärung technisch so genau aufgeschlüsselt, wie man es selten sieht. Die Mac-App transkribiert lokal und lädt kein Audio hoch. Eine Aufnahme wird überhaupt nur dann zwischengespeichert, wenn man sie mit Esc abbricht, und auch dann nur lokal bis der Text fertig ist. Der fertige Text landet in einer lokalen Verlaufsdatenbank, die nicht mit Servern abgeglichen wird.

Was tatsächlich zum Anbieter geht, ist erstaunlich wenig und wird einzeln benannt: Beim ersten Start meldet die Installation den Beginn der Freitage — gespeichert werden eine zufällige Installationskennung, der Hash eines selbst erzeugten Geheimnisses, das Betriebssystem, Beginn und Ende der Freitage und ein verschlüsselter Hash der Netzwerkadresse, ausdrücklich nicht die Adresse selbst, nur um Mehrfachnutzung zu begrenzen. Keine E-Mail, kein Audio, kein Text, kein Gerätename, keine Hardwarekennung. Bei einem Abo kommen Konto, Abostatus und eine zufällige Gerätekennung dazu; auch die Abfragen zur Laufzeitprüfung übertragen kein Audio und keinen Text. Bezahlt wird über Stripe.

Deshalb steht der Eintrag auf DSGVO „ja" — nach derselben Linie, die im Verzeichnis für Ollama, LM Studio und andere lokal arbeitende Werkzeuge gilt: Die eigentlichen Inhalte werden beim Anbieter gar nicht verarbeitet. Dazu kommt eine Datenschutzerklärung mit Rechtsgrundlagen für den EWR, Betroffenenrechten, Beschwerderecht bei der Aufsichtsbehörde und Standardvertragsklauseln für Übermittlungen.

Ein Vorbehalt gehört trotzdem deutlich hierher, und er betrifft nicht die Technik: Ein Impressum und eine Firmenanschrift sind nirgends zu finden. Als Anbieter firmiert die O-mega Enterprise Inc., die Nutzungsbedingungen verweisen auf „das Recht am Sitz" dieses Unternehmens — welcher Sitz das ist, steht weder dort noch in der Datenschutzerklärung noch auf der Über-uns-Seite. Als Kontakt gibt es eine E-Mail-Adresse. Für ein kostenpflichtiges Abo mit Verbraucherinnen im deutschsprachigen Raum ist das eine echte Lücke. Sie ändert die Einstufung hier nicht, weil die heiklen Daten — Stimme und diktierter Text — das Gerät nachweislich nicht verlassen und die wenigen übertragenen Angaben minimal und dokumentiert sind. Wer das Werkzeug betrieblich einsetzt, sollte den Sitz vor dem Abschluss erfragen.

Zwei Einschränkungen betreffen die Praxis. Erstens ist „offline" nur die halbe Wahrheit: Das Diktieren selbst braucht kein Netz, die Lizenzprüfung aber schon. Der Anbieter schreibt offen, dass Internet für den ersten Start, die Freischaltung und regelmäßige Zugriffsprüfungen nötig ist und der Offline-Betrieb höchstens 24 Stunden trägt. Für den Flug oder den Zug reicht das; für einen dauerhaft getrennten Rechner nicht.

Zweitens gibt es zwei Mac-Fassungen mit unterschiedlichem Verhalten. Die von der Website geladene schreibt über die macOS-Bedienungshilfen direkt in das aktive Textfeld — so ist das Produkt gedacht. Die Fassung aus dem Mac App Store darf das aus Plattformgründen nicht und kann den Text nur in die Zwischenablage legen, aus der man ihn selbst einfügt. Dafür rechnet sie über das Apple-Konto ab und nimmt überhaupt keinen Kontakt zu den Servern des Anbieters auf. Wer die Bequemlichkeit will, lädt von der Website; wer die größtmögliche Abschottung will, nimmt den App Store.

Erwähnenswert ist schließlich das kostenlose Online-Diktat unter /online-dictation. Es führt ein Whisper-Modell von OpenAI direkt im Browser aus — das Modell wird einmalig geladen (rund 80 MB, mit Grafikbeschleunigung etwa 165 MB) und zwischengespeichert, Aufnahmen laufen bis zu zwei Minuten, ohne Anmeldung und ohne Mengenbegrenzung. Audio und Text bleiben im Tab und sind nach dem Schließen weg. Das ist ein brauchbarer Weg, die Erkennungsqualität vor einem Abo zu prüfen. Die Browser-Erweiterung für Chrome, Edge und Firefox arbeitet nach demselben Prinzip und erhebt laut Anbieter überhaupt keine Daten.

Einordnung im Verzeichnis: Yap ist kein Besprechungsprotokollant wie Klang, Otter.ai oder Granola und kein Audiostudio wie Descript — es ist eine Eingabemethode. Die nächsten Verwandten sind die Diktierfunktionen von macOS und Windows, gegenüber denen der Unterschied in der Textbereinigung und in der Geschwindigkeit liegt. Wer viel schreibt, unter Handgelenksbeschwerden leidet oder regelmäßig lange Prompts eintippt, bekommt hier für knapp sieben Dollar im Monat ein Werkzeug, dessen Datenschutzversprechen man ausnahmsweise nicht glauben muss, weil es an der Architektur hängt.

Screenshot

Screenshot der Yap-Website
Yap · Website-Screenshot1280 × 800

Pro & Contra

+ Pro
  • Spracherkennung läuft vollständig auf dem Gerät — Audio und Text erreichen den Anbieter nicht
  • Schreibt direkt ins laufende Programm statt in ein eigenes Fenster: kein Umweg über Kopieren und Einfügen
  • Bereinigt beim Schreiben: Satzzeichen werden gesetzt, Füllwörter wie „ähm" entfallen
  • Ein Abo für Mac, Windows, iPhone und Android; dazu eine Browser-Erweiterung, die gar keine Daten erhebt
  • Außergewöhnlich detaillierte Datenschutzerklärung, die pro Programmvariante aufschlüsselt, was gesendet wird — inklusive der Angabe, dass der Modell-Download die IP-Adresse an Dritte preisgibt
  • Kostenloses Online-Diktat ohne Anmeldung, das Whisper lokal im Browser ausführt
− Contra
  • Kein Impressum und keine Firmenanschrift auffindbar — die AGB verweisen auf „das Recht am Sitz" des Anbieters, ohne diesen zu nennen
  • „Offline" gilt nur eingeschränkt: Das Diktat läuft lokal, die Lizenzprüfung braucht regelmäßig Internet, offline sind höchstens 24 Stunden möglich
  • Die Mac-App-Store-Fassung darf technisch nicht in fremde Programme schreiben und kann Text nur in die Zwischenablage legen
  • Auf dem Mac nur Apple Silicon; ältere Intel-Macs werden nicht unterstützt
  • Junges Produkt im Versionsstand 0.7.x, ohne unabhängige Testberichte
  • Oberfläche und Rechtstexte auf Englisch

Anwendungsfälle

E-Mails und Chat-Nachrichten sprechen statt tippen, direkt in Outlook, Gmail, Slack oder TeamsLängere Prompts für ChatGPT oder Claude einsprechen, statt sie zu verkürzenErste Textentwürfe und Notizen am Stück diktieren und danach überarbeitenWeiterarbeiten bei Handgelenksbeschwerden oder RSI, ohne die Tastatur zu belasten

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