Produktivität & Wissen · Nael Sultan

Prompt.DNA

Deutsches Bewerbungs-Werkzeug, das nur aus den selbst eingegebenen Belegen schreibt — was die Angaben nicht decken, wird markiert statt still erfunden. Der Prompt entsteht standardmäßig im Browser, der KI-Aufruf in der App ist Opt-in.

DSGVO-konform· Deutschland

Prompt.DNA ist ein deutsches Werkzeug für Bewerbungsunterlagen, das eine konkrete Schwäche generischer KI-Texte adressiert: erfundene Fakten. Wer ein Anschreiben aus einem allgemeinen Chatbot erzeugt, bekommt erfahrungsgemäß oft eine plausible Erfolgszahl, ein Projekt oder einen früheren Arbeitgeber dazugeschrieben, den es nie gab — in einer Bewerbung ist das kein Schönheitsfehler, sondern ein ernstes Problem.

Der Gegenentwurf heißt hier Belege: Man trägt ein, was tatsächlich zutrifft — Abschlüsse, Stationen, Projekte, nachweisbare Ergebnisse —, und die Texte entstehen nur daraus. Was die Angaben nicht decken, wird in der Oberfläche als ungedeckt markiert, statt stillschweigend ergänzt zu werden. Ergänzt wird das durch die Stimm.DNA: Tonfall, echte Fähigkeiten und ausdrücklich unerwünschte Formulierungen — Floskeln wie „teamfähig“ oder „leidenschaftlich“ — legt man einmal an, danach gelten sie für jede Vorlage.

Abgedeckt ist der Bewerbungsprozess ziemlich vollständig: Anschreiben, ATS-tauglicher Lebenslauf, ein Entwurf für das eigene Arbeitszeugnis, Nachfassen nach der Bewerbung und Interview-Vorbereitung, dazu Profiltexte für LinkedIn und XING, Kurzbio und Elevator Pitch. Die Oberfläche gibt es auf Deutsch und Englisch, und unter /demo lässt sich der Anschreiben-Prompt ohne Konto ausprobieren.

Technisch interessant — und der eigentliche Grund für die Datenschutz-Einstufung — ist die Architektur. Prompt.DNA baut den fertigen, mit allen Angaben gefüllten Prompt im Browser; man kopiert ihn und setzt ihn in den KI-Chat der eigenen Wahl ein. Im Standardbetrieb verarbeitet der Dienst also selbst keine Inhalte mit einer KI. Optional gibt es eine Direkt-Ausführung in der App, die aber je Klick ausdrücklich bestätigt werden muss.

Beim Datenschutz ist die Dokumentation ungewöhnlich sorgfältig. Verantwortlich ist eine Person mit Sitz in Berlin, Konto- und Inhaltsdaten liegen bei Supabase mit EU-Hosting, die Programmierschnittstelle läuft bei Fly.io in Frankfurt, ausgeliefert wird über Cloudflare. Es gibt kein Verhaltens-Tracking, keine Werbe-Cookies, selbst gehostete Schriften, keine IP-Speicherung in der Reichweitenmessung. Besonders bemerkenswert: Die Datenschutzerklärung korrigiert die eigene Marketing-Aussage und stellt klar, dass „Server in Frankfurt“ die eigene API meint und nicht den Verarbeitungsort eines KI-Modells. Diese Art von Selbstkorrektur findet man in Anbietertexten selten.

Deshalb steht der Eintrag auf DSGVO „ja“: Der Standardweg schickt die Bewerbungsdaten überhaupt nicht an einen KI-Anbieter, der Drittland-Anteil ist Opt-in und vermeidbar. Fairerweise gehört dazu: Supabase und Cloudflare sind US-Unternehmen (mit EU-Hosting beziehungsweise Auslieferung), und wer die Direkt-Ausführung nutzt, sendet den vollständigen Prompt samt Profil- und Bewerbungsdaten an Google Gemini — laut Anbieter werden Prompts von EWR-Nutzern nicht zur Produktverbesserung verwendet, zur Missbrauchserkennung aber bis zu 55 Tage gespeichert. Ein eigenes Modell trainiert der Dienst nicht, weil er keines betreibt.

Zwei Einschränkungen sollte man vor der Nutzung kennen. Erstens ist Prompt.DNA laut Impressum ein privates Projekt in kostenloser Beta, betrieben von einer Einzelperson ohne eingetragenes Gewerbe, auf einer pages.dev-Subdomain; die AGB halten ausdrücklich fest, dass Funktionen sich ändern oder entfallen können. Wer dort einen vollständigen Lebenslauf hinterlegt, sollte einkalkulieren, dass Fortbestand, Support und Weiterentwicklung eines solchen Projekts ungewiss sind — und eigene Kopien seiner Unterlagen behalten. Zweitens verlagert der Standardmodus den letzten Schritt zur Nutzerin: Die eigentliche Texterzeugung passiert im eigenen KI-Chat, und dort gelten dann dessen Datenschutzbedingungen — ein kostenloser ChatGPT-Zugang etwa verarbeitet die eingefügten Daten nach eigenen Regeln.

Und eine nüchterne Einordnung zum Kernversprechen: Das Belege-Prinzip wirkt an zwei Stellen — in der Oberfläche, die Lücken sichtbar macht, und in den Anweisungen des erzeugten Prompts. Beides reduziert erfundene Angaben deutlich, garantiert aber nicht, dass das nachgelagerte Sprachmodell nichts hinzudichtet. Die letzte Prüfung vor dem Absenden bleibt Aufgabe der Bewerberin.

Im Verzeichnis steht mit BewerbungGPT bereits ein deutsches Bewerbungs-Werkzeug; die beiden lösen aber unterschiedliche Probleme. BewerbungGPT erzeugt die Dokumente selbst, inklusive Lebenslauf-Layouts und Bewerbungsfotos, und ist als fertiges Produkt weiter. Prompt.DNA setzt dagegen auf Faktentreue, Stilkontrolle und Datensparsamkeit — und ist die passendere Wahl für alle, die ihre Unterlagen nicht durch einen fremden KI-Dienst laufen lassen möchten oder denen erfundene Angaben in Bewerbungen ein besonderes Anliegen sind.

Screenshot

Screenshot der Prompt.DNA-Website
Prompt.DNA · Website-Screenshot1280 × 800

Pro & Contra

+ Pro
  • Belege-Prinzip: ungedeckte Angaben werden markiert statt erfunden — adressiert die typische Schwäche generischer KI-Texte
  • Stimm.DNA mit eigenem Tonfall und Tabu-Wörtern gilt einmal angelegt für alle Vorlagen
  • Standardmäßig keine KI-Verarbeitung durch den Dienst: der Prompt entsteht im Browser, die Direkt-Ausführung ist Opt-in je Klick
  • Sehr transparente Datenschutzerklärung, kein Verhaltens-Tracking, Demo ohne Konto
− Contra
  • Privates Beta-Projekt einer Einzelperson ohne eingetragenes Gewerbe — Fortbestand und Support ungewiss
  • Im Standardmodus erledigt die eigentliche Texterzeugung der KI-Chat der Nutzerin — dort gelten dann dessen Datenschutzbedingungen
  • Prompt-Anweisungen reduzieren Erfindungen, schließen sie im nachgelagerten Modell aber nicht aus
  • Bei der Opt-in-Direktausführung geht der vollständige Prompt an Google Gemini (laut Anbieter bis 55 Tage Missbrauchsprüfung)

Anwendungsfälle

Anschreiben aus belegbaren Angaben erstellenATS-tauglichen Lebenslauf und Zeugnis-Entwurf vorbereitenLinkedIn- und XING-Profil, Kurzbio und Elevator Pitch textenNachfassen nach der Bewerbung und Interview-Vorbereitung

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