Produktivität & Wissen · Tobias Kullnig

Mein-JobPilot

Deutscher Jobassistent: Lebenslauf einmal hinterlegen, daraus Stellensuche mit begründetem Match-Score und ein versandfertiges A4-Anschreiben. Abgerechnet wird per Token statt per Abo, verschickt wird über das eigene Postfach.

DSGVO bedingt· Deutschland

Mein-JobPilot verbindet zwei Dinge, die sonst getrennt laufen: die Stellensuche und das Anschreiben. Man hinterlegt einmal seinen Lebenslauf, und der dient danach als Grundlage für beides — für die Suche über mehrere Jobbörsen hinweg und für jedes einzelne Anschreiben, das daraus entsteht.

Der interessanteste Teil ist der Match-Score. Jede gefundene Stelle bekommt einen Prozentwert, und zwar mit Begründung: Welche Anforderungen der Anzeige deckt das Profil ab, und welche nicht. Im Beispiel auf der Website steht neben den drei Treffern auch der Satz, dass die Branchenerfahrung im Profil nicht erkennbar ist. Genau dieser vierte Punkt macht den Unterschied zu einer reinen Prozentzahl — er ist der Hinweis darauf, was man im Anschreiben adressieren sollte oder warum eine Bewerbung aussichtslos sein könnte.

Das Anschreiben entsteht als versandfertige A4-Seite plus passendem E-Mail-Text, abgestimmt auf Anzeige und Lebenslauf. Der Anbieter nennt das verwendete Modell offen beim Namen: Claude von Anthropic. Dass ein Werkzeug das überhaupt ausschreibt, statt von „KI" zu sprechen, ist angenehm und für die Datenschutzbewertung hilfreich.

Praktisch durchdacht ist der Versand. Die Bewerbung geht nicht über einen Sammelabsender des Anbieters, sondern über das eigene Postfach — man hinterlegt dafür die eigenen SMTP-Zugangsdaten, und die Mail erreicht den Empfänger direkt vom eigenen Absender. Für die Zustellbarkeit ist das deutlich besser, als wenn Hunderte Bewerbungen von derselben fremden Domain kämen. Dazu kommt ein Cockpit, in dem alle laufenden Bewerbungen als Tabelle oder Kanban-Board stehen — auch Wochen später noch, wenn die Rückmeldung kommt und man nachsehen muss, worauf man sich eigentlich beworben hatte.

Das Preismodell ist ungewöhnlich fair für diesen Markt. Es gibt kein Abo: Ein Token ist ein Suchlauf oder ein Anschreiben, Pakete reichen von 4,90 € für drei Token bis 59,90 € für hundert, der Stückpreis sinkt dabei von 1,63 € auf 0,60 €. Lebenslauf-Analyse, Match-Begründung und Versand sind ohne Aufpreis dabei. Gekaufte Token verfallen nicht zum Monatsende, sondern erst mit der gesetzlichen Verjährung nach drei Jahren, und bei technischem Fehlschlag gibt es sie zurück. Wer in einer Bewerbungsphase steckt und danach monatelang nichts braucht, zahlt hier nur für die tatsächliche Nutzung — der klare Vorteil gegenüber einem Monatsabo.

Beim Datenschutz liefert dieser Eintrag das Beste ab, was im Verzeichnis bislang von einem Einzelanbieter zu sehen war. Verantwortlicher ist Tobias Kullnig in Flein, mit vollständigem Impressum samt Anschrift und Telefonnummer. Gehostet wird bei IONOS in Deutschland, Serverlogs werden nach sieben Tagen gelöscht. Für die Reichweitenmessung läuft ein selbst gehostetes, cookieloses Matomo auf demselben Server — die Daten verlassen die eigene Infrastruktur nicht, und deshalb braucht die Seite auch keinen Cookie-Banner.

Besonders bemerkenswert sind zwei Punkte, die fast alle Anbieter übergehen. Erstens Artikel 9 DSGVO: Ein deutscher Lebenslauf kann Angaben zu Schwerbehinderung, Religion oder Gewerkschaftszugehörigkeit enthalten. Der Anbieter behandelt diese besonderen Kategorien ausdrücklich und holt dafür vor jedem Upload eine gesonderte Einwilligung ein, die protokolliert wird. Zweitens Artikel 22 DSGVO: Der Match-Score wird klar als Empfehlung an die Nutzerin eingeordnet und nicht als Entscheidung über sie — es gibt keine automatische Vorauswahl und keine Rechtsfolge, die sich allein aus dem Wert ergibt. Beides ist juristisch sauber durchdacht statt abgeschrieben.

Auch die Datensparsamkeit stimmt: Die Lebenslauf-Datei wird beim Auslesen nur flüchtig im Arbeitsspeicher verarbeitet und nicht gespeichert; hochgeladene Unterlagen liegen verschlüsselt im Konto. An die KI geht nur der Text des Lebenslaufs samt Stellenanzeige — nicht die PDF-Datei und niemals die Zeugnismappe.

Warum steht der Eintrag dann trotzdem auf DSGVO „bedingt" und nicht auf „ja"? Weil dieses Verzeichnis nach der tatsächlichen Verarbeitungskette einstuft und nicht nach dem Sitz des Anbieters — dieselbe Linie, die hier für BewerbungGPT, KI Schulgenie und NebenkostenPro gilt. Vertragspartner ist zwar Anthropic Ireland, Limited in Dublin als Auftragsverarbeiter nach Artikel 28, was deutlich besser ist als ein Vertrag mit einer US-Gesellschaft. Die Datenschutzerklärung hält aber selbst fest, dass die Verarbeitung ein Drittland berühren kann und dann über Standardvertragsklauseln abgesichert ist. Damit verlässt der Lebenslauf im Zweifel den europäischen Verarbeitungsraum — und genau das ist das Kriterium für „bedingt". Fairerweise: Das ist die am besten dokumentierte Einstufung dieser Art im Verzeichnis. Ein Training mit den Inhalten ist vertraglich ausgeschlossen, und der Anbieter nennt sogar die Löschfristen seines Dienstleisters. Für ein „ja" bräuchte es eine zugesicherte Verarbeitung ausschließlich in der EU.

Dazu gehört ein Detail, das man kennen sollte: Anthropic löscht übermittelte Inhalte nach spätestens 30 Tagen — bei Verdacht auf Richtlinienverstöße auch später. Die Löschung des eigenen Kontos erfasst diese Kopien nicht; sie laufen von selbst aus. Dass der Anbieter das offen hinschreibt, statt es zu verschweigen, spricht für ihn.

Zwei weitere Einschränkungen für die Praxis. Erstens die SMTP-Zugangsdaten: So elegant der Versand über das eigene Postfach ist — man hinterlegt damit Zugangsdaten zu seinem Mailkonto bei einem Dritten. Sie werden verschlüsselt gespeichert und nur auf Anweisung verwendet, aber man sollte dafür unbedingt ein App-spezifisches Passwort anlegen und nicht das Hauptkennwort seines Mailkontos eintragen. Zweitens das Widerrufsrecht: Vor dem Kauf stimmt man dem sofortigen Leistungsbeginn zu und verliert es damit nach § 356 Abs. 5 BGB. Das ist bei digitalen Leistungen üblich und korrekt ausgewiesen, überrascht aber trotzdem manche.

Der Zuschnitt ist konsequent deutsch: nur Stellen in Deutschland, Ansprache und Anschreiben-Konventionen entsprechend. Für Bewerbungen in Österreich oder der Schweiz ist das Werkzeug damit nicht gedacht. Betrieben wird es von einem Einzelunternehmer als Kleinunternehmer nach § 19 UStG — Fortbestand, Pflege und Support hängen an einer Person, was man bei der Entscheidung mitdenken sollte.

Einordnung im Verzeichnis: Mit BewerbungGPT und Prompt.DNA stehen bereits zwei deutsche Bewerbungswerkzeuge hier, aber alle drei lösen verschiedene Probleme. BewerbungGPT erzeugt die vollständigen Unterlagen inklusive Lebenslauf-Layout und Bewerbungsfoto. Prompt.DNA setzt auf Faktentreue und Datensparsamkeit und überlässt die Texterzeugung dem eigenen KI-Chat. Mein-JobPilot ist das einzige der drei, das die Stellensuche selbst mitbringt und den Weg von der Anzeige bis zur abgeschickten Mail durchgängig abdeckt. Wer nicht nur schreiben, sondern zuerst einmal finden will, ist hier richtig.

Screenshot

Screenshot der Mein-JobPilot-Website
Mein-JobPilot · Website-Screenshot1280 × 800

Pro & Contra

+ Pro
  • Match-Score mit schriftlicher Begründung — man sieht, warum eine Stelle passt und was im Profil fehlt
  • Kein Abo: Token gelten drei Jahre, ein Token ist ein Suchlauf oder ein Anschreiben
  • Die Bewerbung geht über das eigene Postfach hinaus, nicht über einen Sammelabsender des Anbieters
  • Vollständiges Impressum mit Klarnamen und Anschrift, Hosting bei IONOS in Deutschland
  • Datenschutzerklärung auf ungewöhnlich hohem Niveau: Art. 9 DSGVO für Angaben wie Schwerbehinderung wird eigens per Einwilligung geregelt, der Match-Score ausdrücklich als Empfehlung und nicht als Entscheidung nach Art. 22 eingeordnet
  • Selbst gehostetes, cookieloses Matomo statt Google Analytics — deshalb ohne Cookie-Banner
− Contra
  • Inhalte von Lebenslauf und Stellenanzeige gehen an einen KI-Dienstleister; Vertragspartner ist zwar Anthropic Ireland, Drittlandberührung ist aber ausdrücklich vorgesehen und nur über Standardvertragsklauseln abgesichert
  • Für den Versand hinterlegt man die Zugangsdaten des eigenen E-Mail-Postfachs — unbedingt ein App-Passwort verwenden, nie das Hauptkennwort
  • Nur Stellen in Deutschland; für Österreich und die Schweiz nicht nutzbar
  • Beim Kauf stimmt man dem sofortigen Leistungsbeginn zu und verliert damit das Widerrufsrecht
  • Kopien bei Anthropic laufen erst nach bis zu 30 Tagen aus — die Kontolöschung erfasst sie nicht
  • Einzelunternehmer als Kleinunternehmer nach § 19 UStG; Fortbestand und Support hängen an einer Person

Anwendungsfälle

Passende Stellen im Umkreis oder bundesweit remote finden und nach Eignung sortierenZu jeder Anzeige ein zugeschnittenes A4-Anschreiben samt E-Mail-Text erzeugenAlle laufenden Bewerbungen als Tabelle oder Kanban-Board im Blick behaltenEigenbemühungen für die Agentur für Arbeit nachvollziehbar dokumentieren

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