Agenten & Automation · Hellomatik, S.L.

Hellomatik

Spanische Agentenplattform für Betriebsabläufe: HM-2 legt über die bestehenden Systeme ein schriftliches Firmenmodell aus Daten, Abläufen und Formeln, auf dem Agenten Entscheidungen vorbereiten — freigegeben wird jede einzelne von einem Menschen. Einstieg nur über ein Vertriebsgespräch.

DSGVO bedingt· Spanien

Hellomatik aus Madrid verkauft mit HM-2 eine Agentenplattform für den Betriebsalltag mittelständischer Firmen — und zwar für eine Sorte Arbeit, die in Prospekten selten vorkommt: Bestellungen aus Kunden-E-Mails im ERP anlegen, Lieferantenrechnungen gegen Bestellung und Lieferschein abgleichen, morgens die Liste der nicht versandten Aufträge mit Grund liefern, Frachtrechnungen Position für Position gegen die tatsächlichen Sendungen prüfen. Das ist unspektakulär und genau deshalb interessant, denn es ist die Arbeit, die in Vertrieb, Einkauf, Logistik und Buchhaltung tatsächlich Zeit frisst.

Der architektonische Kern heißt beim Anbieter „blueprint" und ist weniger technisch, als der Begriff vermuten lässt: eine schriftliche Beschreibung der Firma — welche Daten sie hält, wie sie jeden Vorgang abwickelt, wie sie jede Kennzahl berechnet, welche Aktionen erlaubt sind. Jede Angabe bekommt eine Definition, jede Kennzahl eine Formel. Darauf arbeiten dann alle Agenten und alle Abteilungen, mit einer einzigen Definition von „Kunde", „Auftrag" und „Artikel".

Wichtig für die Einordnung: Das ist kein Datenlager und keine Migration. HM-2 liest die vorhandenen Systeme nach einem Zeitplan, den die Firma setzt; führend bleiben ERP, Lagersystem und E-Mail. Die Einreichung spricht von einem „lebenden Modell des Unternehmens" — zutreffender ist: eine gemeinsame Bedeutungsschicht über Systemen, die unverändert weiterlaufen. Nichts wird ersetzt, nichts doppelt gehalten.

Der zweite tragende Gedanke ist das Freigabemodell. Der Agent bereitet eine Entscheidung vor, ein Mensch nimmt sie an, ändert oder lehnt sie ab. Die Firma legt je Vorgang fest, was automatisch durchläuft und was eine Freigabe braucht. Jeder Lauf steht im Betriebsprotokoll, jede Freigabe mit Urheber im Freigabeprotokoll. Dazu kommt eine Lernschleife: Nach einer geänderten oder abgelehnten Vorlage entwirft der Agent eine Änderung des Vorgangs — die aber erst gilt, wenn ein Mensch sie freigibt, und dann für alle gleichartigen Fälle. Wer schon einmal erlebt hat, wie ein Automatismus denselben Fehler hundertfach wiederholt, erkennt hier den Unterschied zwischen Vorführeffekt und Betriebstauglichkeit.

Technisch streng ist die Rechtevergabe: HM-2 bekommt Lesezugriff auf die Systeme, keine Änderungsrechte. Geschrieben wird nur, was ein Mensch freigegeben hat, und jede Schreibaktion braucht eine eigene Berechtigung je Vorgang. Für eine Plattform, die am ERP hängt, ist das die richtige Reihenfolge.

Beim Datenschutz liefert Hellomatik deutlich mehr ab als der Durchschnitt dieses Verzeichnisses. Verantwortliche ist die HELLOMATIK, S.L. mit spanischer Steuernummer, es gilt spanisches Recht mit Gerichtsstand Madrid, Aufsichtsbehörde ist die AEPD. Jede Kundenfirma bekommt eine eigene Datenbank in Deutschland mit eigenem Backup, zwischen Mandanten werden keine Daten geteilt. Die Datenschutzerklärung nennt Rechtsgrundlagen je Verarbeitungszweck, konkrete Löschfristen, die Rollenverteilung zwischen Verantwortlichem und Auftragsverarbeiter je Modul sowie Betroffenenrechte mit Monatsfrist. Ein AV-Vertrag wird bereitgestellt, Unterauftragsverarbeiter laufen über Artikel-28-Verträge, Drittlandtransfers über Angemessenheitsbeschluss oder Standardvertragsklauseln mit Transfer-Folgenabschätzung. Es gibt eine klare Zusage gegen Modelltraining auf Kundendaten, und — das ist wirklich selten — die Nutzungsbedingungen stellen abgeleitete Daten wie Einbettungen und Betriebsmetadaten den Kundendaten gleich, mit denselben Schutz- und Löschfristen. Auch EU-AI-Act-Pflichten, Artikel 22 DSGVO und die Anforderungen an menschliche Aufsicht in Hochrisiko-Kontexten sind vertraglich adressiert.

Warum dann DSGVO „bedingt" und nicht „ja"? An einer einzigen, aber entscheidenden Stelle: Die Sprachmodell-Anbieter werden nicht genannt. Die Website sagt lediglich, sie seien als Unterauftragsverarbeiter nach Artikel 28 gebunden und trainierten nicht auf Kundendaten; die vollständige Liste mit Standorten und Transfergrundlagen gibt es nur auf Anfrage. Dass die Datenschutzerklärung eigens Standardvertragsklauseln und das EU-US-Datenschutzrahmenwerk behandelt, legt nahe, dass ein Teil der Verarbeitung die EU verlässt. Ablage und Rechtsrahmen sind also europäisch und gut dokumentiert — ob die Inhalte selbst ausschließlich in der EU durch ein Modell laufen, lässt sich von außen nicht feststellen. Würde der Anbieter die Modellanbieter samt Standorten öffentlich nennen, wäre eine Höherstufung naheliegend; interessierte Firmen sollten die Liste vor dem Vertrag anfordern.

Zur Nüchternheit gehören drei weitere Punkte. Erstens: Es gibt keine deutsche Fassung. Website, Datenschutzerklärung und Nutzungsbedingungen liegen auf Englisch und Spanisch vor. Wer in Deutschland, Österreich oder der Schweiz einen AV-Vertrag durch die eigene Rechtsabteilung bringen muss, sollte das einplanen. Zweitens: Preise sind nicht öffentlich. Es gibt keinen Self-Service, keine Testversion und keine Preisliste — nur ein Erstgespräch, abgerechnet wird später nutzungsabhängig über ein Order Form. Das ist für Unternehmenssoftware üblich, macht einen Vergleich im Verzeichnis aber unmöglich.

Drittens, und am wichtigsten: Das Unternehmen ist sehr jung. Gegründet wurde es im Juli 2025 von zwei Brüdern; öffentliche Referenzkunden, eine bekannte Finanzierung oder unabhängige Berichterstattung gibt es nicht. Die auffindbaren Einträge in Agenten-Verzeichnissen stammen erkennbar vom Anbieter selbst. Der Gegensatz ist bemerkenswert: Rechtstexte und Sicherheitsarchitektur haben Unternehmensniveau, das Unternehmen dahinter ist rund ein Jahr alt. Für eine Plattform, der man Lesezugriff auf das eigene ERP gibt, ist die Frage nach Fortbestand und Betriebsreife damit nicht beantwortet — und sie lässt sich mangels Testzugang auch nicht von außen beantworten. Sämtliche Funktions- und Sicherheitsangaben in diesem Eintrag stammen aus den Unterlagen des Anbieters.

Wer HM-2 ernsthaft erwägt, sollte das Erstgespräch entsprechend führen: nach der Unterauftragsverarbeiter-Liste fragen, den AV-Vertrag und die Standardvertragsklauseln vorab anfordern, nach Referenzkunden in vergleichbarer Größe fragen und mit einem klar abgegrenzten Vorgang beginnen — der Anbieter sieht diesen schrittweisen Einstieg selbst vor. Im Verzeichnis stehen unter Agenten & Automation mit n8n, Make und Zapier Werkzeuge, die ähnliche Abläufe selbst gebaut werden lassen, mit mehr Eigenarbeit und ohne Beratungsvertrag; Hellomatik unterscheidet sich von ihnen durch das geschriebene Firmenmodell und die durchgängige Freigabe- und Protokollpflicht.

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Screenshot der Hellomatik-Website
Hellomatik · Website-Screenshot1280 × 800

Pro & Contra

+ Pro
  • Freigabe statt Autopilot: Der Agent bereitet vor, ein Mensch nimmt an, ändert oder lehnt ab — jede Entscheidung steht mit Urheber im Freigabeprotokoll
  • Standardmäßig nur Lesezugriff auf die Firmensysteme; geschrieben wird ausschließlich, was freigegeben wurde, und nur mit Berechtigung je Vorgang
  • Eigene Datenbank je Kunde in Deutschland mit eigenem Backup, kein Datenaustausch zwischen Mandanten
  • Vertragliche Zusage, dass Kundendaten nicht ins Modelltraining gehen — mit Opt-in-Vorbehalt statt Standard-Einwilligung
  • Abgeleitete Daten wie Einbettungen und Betriebsmetadaten gelten vertraglich als Kundendaten mit denselben Schutz- und Löschfristen — so sauber geregelt findet man das selten
  • Keine Migration und kein Systemwechsel: die vorhandene Software bleibt führend, HM-2 liest nach Zeitplan
  • Ungewöhnlich sorgfältige Rechtstexte mit Rechtsgrundlagen je Zweck, Löschfristen, AV-Vertrag, Unterauftragsverarbeiter-Liste und EU-AI-Act-Klauseln
− Contra
  • Keine deutsche Oberfläche und keine deutschsprachigen Rechtstexte — Website und Verträge gibt es nur auf Englisch und Spanisch
  • Die Sprachmodell-Anbieter werden nicht genannt; die Liste gibt es nur auf Anfrage, eine EU-Verarbeitung der Inhalte ist daher nicht überprüfbar
  • Keine öffentlichen Preise, kein Self-Service, keine Testversion — der Einstieg führt ausschließlich über ein Vertriebsgespräch
  • Sehr junges Unternehmen: gegründet im Juli 2025, geführt von zwei Brüdern, ohne öffentliche Referenzkunden, bekannte Finanzierung oder unabhängige Berichterstattung
  • Der Nutzen steht und fällt damit, wie gut das Firmenmodell geschrieben wird — das ist Projektarbeit mit dem Anbieter, kein Produktkauf
  • Alle Funktions- und Sicherheitsangaben stammen vom Anbieter und ließen sich mangels Testzugang nicht praktisch prüfen

Anwendungsfälle

Bestellungen aus Kunden-E-Mails im ERP anlegen, mit geprüftem Bestand und KreditlimitLieferantenrechnungen gegen Bestellung und Lieferschein abgleichen und Abweichungen markiert zur Buchung vorlegenOffene Lieferungen, Frachtrechnungen und abfallende Bestellmengen täglich überwachenKundenanfragen zum Bestellstatus aus ERP, Lagersystem und Sendungsverfolgung beantworten

Verwandte Tools