Microsoft Foundry
Microsofts Enterprise-Plattform für KI-Agenten und -Modelle — 11.000+ Modelle (OpenAI, Anthropic, Mistral, MAI), gehostete Agents, Grounding und Governance unter einem Azure-Dach.
Microsoft Foundry — bis Build 2026 als „Azure AI Foundry" bekannt — ist Microsofts zentrale Enterprise-Plattform für den Bau, das Hosting und die Steuerung von KI-Modellen und -Agenten. Auf der Build-2026-Konferenz wurde sie umbenannt und massiv ausgebaut; sie ist damit Microsofts strategische Antwort auf die Frage, wie Unternehmen Agenten nicht nur prototypisch, sondern produktiv und governt betreiben.
Das Herzstück ist der Modell-Katalog mit über 11.000 Modellen. Über einen einzigen Azure-Endpunkt sind Frontier-Modelle von OpenAI (GPT-5.5 und GPT-5.5 Pro, GA seit Build), Anthropic (Claude Sonnet/Haiku/Opus, in Public Preview), Mistral, DeepSeek, Fireworks und Microsofts eigene MAI-Familie erreichbar. Entwickler:innen routen zwischen Modellen, steuern Kosten und betreiben Fine-Tuning bzw. das neue Frontier Tuning — alles mit Entra-Authentifizierung und Azure-Abrechnung (MACC-fähig).
Die wichtigste Neuerung von Build 2026 ist der Foundry Agent Service: ein managed Runtime für produktive Agents. Jede Session läuft in einer Hypervisor-isolierten Sandbox mit eigener Entra-ID-Identität, Cold Starts liegen unter 100 Millisekunden, und der Deploy erfolgt direkt aus dem Quellcode (azd). Eingebaute Content-Safety-Guardrails, ein Memory-Dienst (prozedurales, User- und Session-Gedächtnis, in Preview) und Routines (geplante Agent-Läufe) machen aus einem Prototyp einen betreibbaren Dienst. Der Service ist framework-agnostisch — Microsoft Agent Framework, GitHub Copilot SDK und LangGraph werden unterstützt.
Für Grounding sorgt Foundry IQ: ein serverloser Retrieval-Layer, der Wissensquellen wie Work IQ (Mails, Meetings, Dokumente), Fabric IQ, Azure SQL, File Search, MCP-Server und das neue Web IQ (Live-Web-Grounding über Bing-Infrastruktur, sub-200ms) hinter einem SLA-gestützten Endpunkt vereint. Damit deckt Foundry den kompletten RAG-Stack ab, den man sonst aus mehreren Bausteinen zusammensetzen müsste.
Der Governance-Layer ist für Enterprise-Käufer:innen das eigentliche Argument. Die offene Agent Control Specification (ACS) definiert Interception-Points, an denen Policies greifen; Guided Guardrail Setup, Adaptive Evaluations und Tracing für jedes Framework (auch LangChain, Semantic Kernel, custom) machen Agentenverhalten messbar und auditierbar. Mit One-Click-Publishing wandern fertige Agents direkt nach Teams und Microsoft 365 Copilot — Identität und Tenant-Policy fließen automatisch mit.
Schwächen sind die Kehrseite der Mächtigkeit. Der Azure-Lock-in ist real und tief; wer Foundry ernsthaft nutzt, bindet sich an das Microsoft-Ökosystem. Das Consumption-Pricing ist flexibel, aber schwer vorab zu kalkulieren — gerade mit der neuen Copilot-Credits-Schicht. Der volle Nutzen setzt ein Enterprise-Setup mit Entra, Purview und entsprechenden Lizenzen voraus; für ein kleines Team ist das Overkill. Und viele der auf Build 2026 vorgestellten Funktionen (Memory, Routines, Web IQ, Agent Optimizer) sind noch Preview — produktiv verlässlich ist der Kern, die spannendsten Bausteine reifen noch.
Empfohlen für Unternehmen, die KI-Agenten produktiv, sicher und DSGVO-konform betreiben wollen und ohnehin in Azure investiert sind — als durchgängige Plattform von Modellwahl über Hosting bis Governance. Für Startups und kleine Teams ohne Azure-Bindung sind schlankere Kombinationen (ein Agent-Framework plus ein Vector-Store plus ein Modell-Provider) meist günstiger und beweglicher.
Screenshot

Pro & Contra
- Riesiger Modell-Katalog (11.000+) mit Routing über einen Endpunkt
- Gehostete Agents mit Sandbox-Isolation und eigener Entra-Identität
- EU-Datenresidenz, Entra-Auth und Governance (ACS, Guardrails)
- One-Click-Publishing zu Teams und Microsoft 365 Copilot
- Azure-Lock-in und hohe Plattform-Komplexität
- Consumption-Pricing schwer vorab kalkulierbar
- Voller Nutzen erst mit Enterprise-Setup (Entra, Purview)
- Viele der neuen Build-2026-Funktionen noch in Preview
Anwendungsfälle
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