Marketing & Content · Profound AI, Inc.

Profound

Die Enterprise-Plattform, die misst und steuert, wie Marken in den Antworten von ChatGPT, Perplexity und Co. auftauchen.

DSGVO bedingt· USA

Profound ist die derzeit prominenteste Plattform für ein Problem, das es vor wenigen Jahren noch gar nicht gab: Marken müssen nicht mehr nur in der klassischen Google-Suche sichtbar sein, sondern auch in den Antworten generativer Systeme wie ChatGPT, Perplexity, Gemini oder Claude. Wenn ein Nutzer nicht mehr zehn blaue Links durchsucht, sondern eine einzelne, vom Modell formulierte Empfehlung erhält, entscheidet sich Markenpräsenz an einer neuen Stelle — und genau diese Stelle macht Profound messbar. Das Unternehmen hat damit eine eigene Disziplin mitgeprägt, die je nach Quelle als Generative Engine Optimization (GEO) oder Answer Engine Optimization (AEO) firmiert.

Hinter Profound steht die Profound AI, Inc. mit Sitz in New York, gegründet im August 2024 von James Cadwallader (CEO) und Dylan Babbs. Das Tool hat in kurzer Zeit eine außergewöhnliche Dynamik entwickelt: Auf eine Seed-Runde folgten eine Series A unter Führung von Kleiner Perkins (mit Beteiligung von NVIDIA), eine 35-Mio.-Dollar-Series-B unter Sequoia und schließlich im Februar 2026 eine Series C über 96 Mio. Dollar unter Führung von Lightspeed — bei einer Bewertung von einer Milliarde US-Dollar. Damit erreichte Profound nach nur rund 18 Monaten Einhornstatus, einer der schnellsten Aufstiege im Enterprise-Software-Bereich. Der Anbieter verweist auf über 700 Unternehmenskunden und rund zehn Prozent der Fortune 500, darunter Namen wie Target, Walmart, Ramp, MongoDB, Figma, U.S. Bank und Chime. Für eine derart junge Kategorie ist das ein deutliches Signal, dass große Marken das Thema KI-Sichtbarkeit ernst nehmen.

Im Kern beruht Profound auf drei eigenen Datensätzen. Erstens die Answer Engine Insights: Die Plattform stellt täglich Millionen von Fragen an die großen Modelle und protokolliert, ob, wie oft und in welchem Kontext eine Marke in den Antworten auftaucht. Abgedeckt wird die gesamte relevante Bandbreite — ChatGPT, Perplexity, Google AI Overviews und AI Mode, Gemini, Claude, DeepSeek, Grok, Microsoft Copilot und Meta AI. Dazu kommen Sentiment-Auswertungen, also die Tonalität der Nennungen, und ein Citation-Tracking, das aufzeigt, welche Quellen die Modelle für ihre Aussagen heranziehen. Letzteres ist besonders wertvoll, weil es konkrete Hebel sichtbar macht: Wer in den zitierten Quellen vorkommt, hat eine realistische Chance, in die Antworten zu gelangen.

Zweitens stellt Profound mit Prompt Volumes beziehungsweise Conversations ein Nachfrage-Signal bereit, das in der klassischen SEO-Welt so nicht existiert. Aus über 130 Millionen realen Nutzerunterhaltungen — gewonnen über Double-Opt-in-Panels und nach Anbieterangaben DSGVO-konform aufbereitet — zeigt das Tool, welche Fragen Menschen tatsächlich an KI-Systeme richten. Das verschiebt die Content-Planung weg von geschätzten Keyword-Volumina hin zu echten Informationsbedürfnissen und gibt Marketing-Teams eine fundiertere Grundlage, welche Themen sie überhaupt bespielen sollten.

Drittens — und das ist technisch der eigenständigste Baustein — gibt es die Agent Analytics. Hier bindet Profound über die gängigen CDN-Anbieter (Cloudflare, Vercel, Fastly, Netlify, Amazon CloudFront, Akamai) die Server-Logs der eigenen Website an und wertet aus, welche KI-Crawler welche Seiten abrufen und mit welcher Frequenz. Während die Insights die Außensicht liefern (wie spricht die KI über uns), liefert Agent Analytics die Innensicht (wie nimmt die KI unsere Inhalte überhaupt auf). Diese Kombination ist der eigentliche Mehrwert gegenüber simpleren Rank-Trackern: Man sieht nicht nur das Ergebnis, sondern auch den Weg dorthin. Ergänzt wird das Ganze durch Agenten und AEO-Werkzeuge, etwa Generatoren für antwortmaschinen-freundliche FAQ-Inhalte, sowie durch eine API und Integrationen mit Tools wie HubSpot, Google Workspace, Gamma und Vercel.

So überzeugend das Konzept ist, so klar sind auch die Einschränkungen. Profound ist ein Enterprise-Produkt, und das spiegelt sich im Preismodell. Einen dauerhaften, selbstbedienbaren Gratis-Tarif gibt es nicht; ein kostenloser AEO-Schnellreport und Testagenten dienen vor allem dem Einstieg in den Vertriebsprozess. Berichten zufolge beginnt der Lite-Tarif bei rund 499 US-Dollar pro Monat und ist dabei auf eine einzige Plattform und wenige Prompts begrenzt, ein Growth-Tarif liegt bei etwa 399 Dollar mit mehr Abdeckung, aber gedeckelten Content-Agenten. Ernsthafte Enterprise-Nutzung mit voller Engine-Abdeckung, Prompt Volumes, API und unbegrenzten Seats landet typischerweise im Bereich von 2.000 bis 5.000+ Dollar pro Monat, teils im fünfstelligen Bereich — und läuft ausschließlich über individuelle Angebote nach einer Demo. Wer als kleines Unternehmen oder als Agentur mit knappem Budget einfach mal die eigene KI-Sichtbarkeit prüfen will, ist hier preislich schnell überfordert; für diese Zielgruppe gibt es inzwischen deutlich günstigere, schlankere Alternativen.

Hinzu kommt die methodische Unschärfe, die der gesamten Kategorie anhaftet. KI-Antworten sind nicht deterministisch: Dieselbe Frage kann je nach Modellversion, Personalisierung, Region und Zeitpunkt unterschiedlich beantwortet werden. Profound begegnet dem mit großen Stichproben und Wiederholungen, aber eine absolute Wahrheit liefert das nicht — die Zahlen sind belastbare Tendenzen, keine exakten Messwerte wie ein Server-Logfile. Auch die Vergleichbarkeit zwischen Anbietern dieser jungen Branche ist noch nicht standardisiert; wer Profound-Zahlen mit denen eines Konkurrenten gegenüberstellt, vergleicht oft Äpfel mit Birnen. Das ist kein Versäumnis von Profound, sondern Ausdruck der Tatsache, dass die Disziplin gerade erst entsteht.

Für Anwender im DSGVO-Raum gilt schließlich die übliche Sorgfaltspflicht bei einem US-Anbieter. Profound ist SOC 2 Type II und HIPAA zertifiziert, verschlüsselt Daten mit AES-256 im Ruhezustand und TLS 1.2+ in der Übertragung und beschreibt seine Conversations-Panels als DSGVO-konform. Dennoch sollten europäische Kunden Auftragsverarbeitungsvertrag, Serverstandorte und die Mechanismen für den Drittlandtransfer selbst prüfen, bevor sie das Tool produktiv einsetzen. Eine pauschale DSGVO-Konformität lässt sich aus der Ferne nicht bescheinigen, weshalb die Einordnung hier bewusst nur als bedingt erfolgt.

Unterm Strich ist Profound der derzeit klare Referenzpunkt, wenn es um die professionelle Messung von Markensichtbarkeit in KI-Antworten geht. Die Tiefe der Daten — Außensicht über alle relevanten Modelle, Innensicht über das Crawler-Verhalten und ein echtes Nachfrage-Signal aus realen Nutzerfragen — ist im Markt führend, und die Enterprise-Reife passt zu einer Kundschaft, die KI-Sichtbarkeit als eigene Steuerungsgröße etablieren will. Empfehlenswert ist Profound vor allem für mittlere bis große Marken, Inhouse-Teams und spezialisierte Agenturen, die GEO strategisch betreiben und das nötige Budget mitbringen. Kleinere Organisationen, die zunächst nur einen Eindruck ihrer KI-Präsenz gewinnen möchten, sollten dagegen mit einem günstigeren Einstiegswerkzeug starten und Profound erst dann in Betracht ziehen, wenn KI-Sichtbarkeit zu einem geschäftskritischen Kanal geworden ist.

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Screenshot der Profound-Website
Profound · Website-Screenshot1280 × 800

Pro & Contra

+ Pro
  • Drei eigene Datensätze (KI-Antworten, Agent Analytics, echte Nutzerfragen) liefern ungewöhnliche Tiefe
  • Deckt alle relevanten Antwortmaschinen ab (ChatGPT, Perplexity, Gemini, Claude, Grok, Copilot, Meta AI, DeepSeek, Google AI Overviews)
  • Agent Analytics zeigt per CDN-Log-Anbindung konkret, welche KI-Crawler welche Seiten abrufen
  • Enterprise-Reife mit SOC-2-Type-II, HIPAA, SSO und API
− Contra
  • Intransparente, rein vertriebsgetriebene Preise — kein Self-Serve-Checkout
  • Kein Gratis-Tier und keine kostenlose Testphase
  • Voller Funktionsumfang (Prompt Volumes, API, alle Engines) erst im teuren Enterprise-Tarif
  • Für KMU und Agenturen mit kleinem Budget preislich kaum tragbar

Anwendungsfälle

Brand-Monitoring: Sichtbarkeit und Tonalität der eigenen Marke in KI-Antworten messenWettbewerbsanalyse: Share-of-Voice in KI-Empfehlungen gegenüber Konkurrenten verfolgenContent-Strategie: aus realen Nutzerfragen GEO-/AEO-optimierte Inhalte ableitenReporting: KI-Sichtbarkeit als neue Kennzahl für Marketing-Leitung und Vorstand etablieren

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